Sexualität

Fruchtbarkeit

Nach den häufigsten Prostatakrebsbehandlungen (OP, Strahlen- oder Hormontherapie) ist es unwahrscheinlich, dass Sie fruchtbar sind. Bei der chirurgischen Entfernung der Prostata werden die Samenblasen und ein Teil des Samenleiters entfernt, wodurch die Verbindung zu den Hoden unterbrochen wird. Der Orgasmus kann weiterhin stattfinden – jedoch ohne Ejakulat. Eine natürliche Befruchtung ist somit nicht mehr möglich. Bestrahlung zerstört ebenfalls die Prostata und die Samenblasen, Chemo- und Hormontherapie schaden der Spermienproduktion.

Wenn Sie in der Zukunft ein Kind zeugen möchten, thematisieren Sie die Erhaltung der Fruchtbarkeit und die Kryokonservierung von Spermien – vor der Behandlung.

Sexuelle Funktion

Unabhängig davon, ob die Nerven bei der OP geschont wurden oder ob bei der Strahlentherapie eine möglichst genaue Dosisplanung vorgenommen wurde, bleiben Erektionsstörungen die häufigste Nebenwirkung. Das liegt daran, dass Nerven und Blutgefäße, die den physischen Aspekt der Erektion steuern, unglaublich empfindlich sind und jedes Trauma zu Veränderungen führen kann.

Andere weniger häufige, behandelbare Nebenwirkungen, die die Funktion beeinträchtigen können, sind Narbenbildung im Penis (Peyronie-Syndrom) und Klimakturie (Abgabe einer kleinen Menge Urin während des Samenergusses). Abgesehen von den kurzfristigen Nebenwirkungen gibt es auch Anlass zu großem Optimismus: Auf dem Markt gibt es heute viele ausgezeichnete Behandlungen zur Steuerung der Erektionsfähigkeit.

Tatsächlich stellen die meisten Männer mit intakten Nerven innerhalb von 1 bis 2 Jahren nach der Behandlung eine deutliche Verbesserung fest. Moderne Studien haben jedoch gezeigt, dass 40 % der Männer nach der OP eine gewisse Erektionsfähigkeit verlieren.

Es ist wichtig, daran zu denken, dass Ihre maximale Funktionalität nach der Behandlung nur so gut sein kann, wie sie vor der Behandlung war. Der beste Indikator dafür, wie es Ihnen nach der Behandlung gehen wird, ist der Gesundheitszustand, in dem Sie sich vor der Behandlung befanden.

Vier Hauptkomponenten der erektilen Funktion können durch eine Prostatakrebsbehandlung beeinträchtigt werden:
1. Die Libido (Sexualtrieb) wird durch eine Hormontherapie (senkt Testosteron) verringert. Sie können eine niedrige Libido haben und trotzdem eine Erektion bekommen, aber es ist schwieriger für Männer, die weniger Interesse an Sex haben. Der Sexualtrieb kehrt zurück, sobald sich Ihr Testosteronspiegel nach Abschluss der Hormon- therapie normalisiert hat.

Abgesehen von der Hormontherapie können Diagnose und Behandlung komplexe Gefühle wie Traurigkeit und Angst auslösen. Diese Gefühle können ebenfalls den Sexualtrieb beeinträchtigen. Scheuen Sie sich nicht vor Einzel- oder Paarberatung.

2. Die mechanische Fähigkeit ist die Fähigkeit, eine feste Erektion zu erreichen. Sie wird von Nerven und Gefäßen gesteuert, die eng mit der Prostata und den Strukturen in der Nähe des Penis verbunden sind. Die mechanische Fähigkeit kann durch OP und Strahlentherapie beeinträchtigt werden.

3. Der Orgasmus (Klimax) kann nach der Behandlung schwieriger sein, insbesondere wenn die Libido gering ist oder die Erektion nicht mehr so fest ist wie früher. Außerdem kann sich anfangs Unbehagen einstellen, wenn Sie zum Höhepunkt kommen. Dies ist nur vorübergehend.

4. Die Menge des Ejakulats kann nach der Behandlung minimal sein. Prostata und Samenblasen, die für die Produktion zuständig sind, werden während der Behandlung entfernt und/ oder bestrahlt, so dass kein oder nur wenig Ejakulat produziert wird. Sie können zwar eine Erektion haben und einen Orgasmus erreichen, aber es kann sein, dass nichts „herauskommt“. Anfänglich, vor allem nach der OP, kann es sein, dass Sie Blut ejakulieren, was sich mit der Zeit bessern wird.

Management der erektilen Funktion

Orale Medikamente wie Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) – eine Klasse von Medikamenten, die zusammen als PDE5-Hemmer bekannt sind – entspannen die Arterien im Penis, sodass das Blut schnell einfließen kann. Etwa 75 % der Männer, die sich einer nervenschonenden Prostatektomie oder präziseren Formen der Strahlentherapie unterziehen, haben berichtet, dass sie nach Einnahme erfolgreich Erektionen bekommen.

Erkundigen Sie sich, ob diese Medikamente für Sie geeignet sind. Personen, die nitrathaltige Medikamente einnehmen, z. B. gegen Angina pectoris oder Herzprobleme, kommen möglicherweise nicht in Frage.

Alprostadil (MUSE®) – winziges Medikamentenkügelchen, das durch die Öffnung an der Penisspitze in die Harnröhre eingeführt wird. Wie orale Medikamente regt es auch den Blutfluss an. Etwa 40 % der Männer haben berichtet, dass sie nach der Einnahme erfolgreich Erektionen bekommen hatten, aber die Ergebnisse sind oft uneinheitlich.

Alprostadil (CaverJect®) verwendet denselben Wirkstoff wie MUSE, wird aber durch eine Injektion direkt in den Penis verabreicht. Obwohl fast 90 % der Männer, die CaverJect verwenden, ca. 6 Monate nach der Therapie über Erektionen berichteten, haben viele Männer Bedenken, sich regelmäßig selbst zu injizieren. Die Behandlung wird daher erst dann eingesetzt, wenn andere Methoden nicht wirken. Sie ist eine der beständigsten wirksamen Optionen.

Mechanische Geräte können eine Lösung für diejenigen sein, die nicht bereit oder in der Lage sind, Medikamente einzunehmen, oder sie können als Ergänzung zu Medikamenten eingesetzt werden.

Vakuumkonstriktionsgerät (Vakuumpumpe) erzeugt eine Erektion auf mechanischem Wege, indem sie das Blut mit Hilfe eines Vakuums in den Penis presst. Da das Blut wieder abfließt, sobald das Vakuum unterbrochen wird, wird ein Gummiring auf die Peniswurzel gerollt, der den Penis ausreichend verengt, damit das Blut nicht entweicht. Etwa 80 % der Männer sind mit diesem Gerät erfolgreich, aber auch hier gibt es eine hohe Ausfallsquote. Beachten Sie, dass der Verengungsring an der Peniswurzel die Blutzufuhr unterbricht. Deshalb muss der Ring nach dem Sex sofort entfernt werden.

Chirurgisch eingesetztes Penisimplantat kann bis zu 100 % wirksam sein, und etwa 90 % der Männer sind auch nach 10 Jahren noch mit ihrem Implantat zufrieden. Es besteht aus einem schmalen, flexiblen Kunststoffschlauch, einem ballonartigen Gebilde und einem Auslöseknopf. Der Penis bleibt schlaff, bis eine Erektion erwünscht ist. Dann wird der Auslöseknopf gedrückt, und die Flüssigkeit aus dem Ballon füllt das Kunststoffrohr, wodurch der Penis nach oben gezogen wird und eine Erektion entsteht. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt.

Lassen Sie sich beraten, welche dieser Optionen für Sie in Frage kommt. Vermutlich hat man Ihnen geraten, mit oralen Medikamenten zu beginnen. Doch nicht jeder ist dafür geeignet – z. B. Männer mit Gefäßerkrankung oder eingeschränkter Nervenfunktion. Wenn das zutrifft, fragen Sie, ob Sie direkt mit einer Pumpe oder Injektionen – traditionell Mittel zweiter Wahl – beginnen sollten.

So wie die Prostate Cancer Stiftung ein starker Befürworter der Präzisionsmedizin ist, glauben wir an präzise Lebensstil-Behandlungen für Männer, damit sie nach der Behandlung ein erfülltes Leben führen können.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärzt:in über die Nebenwirkungen und die Vor- und Nachteile der einzelnen Behandlungen.

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